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Sechs Annäherungen an den Mythos Traktor

Das Leben am Land ist ruhig
So wie die Ruhe im Urlaub durch das Zirpen der Zikaden geprägt ist, wird die Ruhe des Landes durch das Blöken der Schafe, das Muhen der Kühe, das Rauschen des Bächleins und das Knattern der Traktoren konstituiert. Die Ruhe des Landlebens ist für den Urlauber eine stillere als für den Betreiber des Landlebens selbst. Der Bauer / die Bäuerin ist am Land den Quellen des Lärms stets näher als der Gast.

Am Land gibt es keine Parks
Die Landschaft ist das Betätigungsfeld der Bauern. Sie kultivieren die Landschaft so dass Nicht-Bauern diese als schön empfinden. Die Schönheit der Landschaft am Land macht Parks überflüssig. Außer den betriebseigenen Maschinen- und Fuhrparks. Die braucht jeder Bauer für seine Arbeit.

Das Wort Traktor
kommt aus dem Lateinischen 2): traho, trahis, trahere, –traxi – tractus; und bedeutet: ziehen, schleppen, schleifen, hin- und herzerren, zerrütten, mit sich fortziehen, wegschleppen, plündern, sich aneignen,…
Im metaphorischen Sinn auch: sich zeitlich in die Länge ziehen.
Die RUHE.LOSigkeit des Traktors spiegelt sich also bereits in der Begriffsbezeichnung deutlich wider.

Der Traktor als Unruhestifter
Mit dem Siegeszug des Traktors setzte eine noch nie da gewesene Änderung in der Landwirtschaft ein. Die Anzahl der Traktoren stieg rasant, die Anzahl der Betriebe ging ebenso rasant zurück. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe und die Zahl der Traktoren verhalten sich umgekehrt proportional. Mittlerweile dürfte es bereits mehr Traktoren als Vollerwerbsbauern geben. 1)

Aber auch im soziokulturellen Bereich brachte das neue Dorf- und Familienmitglied Traktor Unruhe in bestehende Verhältnisse, - nicht nur akustisch.

Mit einem zwar erheblichen finanziellen Risiko verbunden, war es für einzelne, die früh den Weg der Modernisierung durch Anschaffung eines Traktors beschritten hatten, möglich im dörflichen Verband ökonomisch und sozial aufzusteigen.

In einer traditionellen Agrargesellschaft der ersten Hälfte des 20. Jhs,  wo Investitionen aus Angespartem getätigt wurden, galt es als nahezu moralisch verwerflich „auf Kreide“ zu kaufen. Die Investition eines Traktors war jedoch in den meisten Fällen nur mit der Aufnahme von Krediten zu bewältigen.

Nachdem sich ein angekaufter Traktor rasch amortisieren sollte, ist ein möglichst hohes Maß an Betriebsstunden pro Zeiteinheit notwendig. Moderne Traktoren sind mit starken Scheinwerfern ausgestattet, die auch das Arbeiten in der Nacht ermöglichen.
So sind viele Traktorbesitzer oft in mehrerer Hinsicht von RUHE.LOSigkeit betroffen: Akustisch, finanziell und durch erhöhten Arbeitseinsatz.

Das Erscheinungsbild des Traktors
ist von hoher Funktionalität geprägt, was wiederum seinen ästethischen Reiz ausmacht. Gerade die frühen Traktoren, wie der legendäre Steyr 15er, sind an sichtbarer Funktionalität und Schönheit kaum zu überbieten. Herzstück des Traktors ist der Motor.

Auch das Wort Motor kommt aus dem Lateinischen  und drückt ist nichts anderes als die lateinische Form von RUHE.LOS: sich bewegen, in Bewegung setzen, beginnen, rühren, erschüttern, verwandeln, verändern; auch: erschrecken, fortbewegen, verdrängen, verjagen,…
 

Porsche Traktor
 
Die Traktoren sind meist bunt und in Signalfarben: Hellrot, Blau, Hellgrün. (Noch) selten sind die PKW-Metallic Lackierungen Silber, Lenz-Grün, Hyazinth, Aluminium-Grau, Ardoise-Blau, Nebelgrau, Goldbeige, etc. Es ist zu vermuten, dass die Verwendung von Leuchtfarbe, ähnlich wie bei den Motorsägen und Äxten, das Auffinden des Arbeitsgerätes bei der Waldarbeit erleichtern sollte. Inwieweit dies bei so großen Nutzfahrzeugen wie dem Traktor eine Rolle spielen mag, oder ob es sich um eine Form der Revierabgrenzung durch Farbsignale handelt, wie wir dies aus der Verhaltensforschung kennen, wird im Rahmen dieses Projektes zu klären sein.
Technische Grundlagen 3)
Traktoren werden zum Ziehen von Wagen und landwirtschaftlichen Geräten benutzt. Vielfach lassen sich auch landwirtschaftliche Maschinen direkt an den Traktor anbauen und über eine Antriebswelle (Gelenkwelle/Zapfwelle) vom Motor des Traktors oder über die Hydraulik antreiben.

Der Traktor ist also nicht nur Arbeitsgerät und Fortbewegungsmittel sondern auch eine mobiles Kraftwerk. Um für die Feldarbeit die notwendige Geländegängigkeit zu erreichen, besitzen Traktoren oft Allradantrieb und mindestens zwei, heute oft auch vier sehr große Räder mit grobstolligen Reifen.
Deutz-Fahr DX4.50
 
Massey Ferguson 135 mit einem norwegischen Überrollbügel. Bild: K.A. Gallis

Der Trend zu immer stärkeren und schwereren Maschinen (höhere Zugkraft) hat als nachteilige Folge auch eine höhere Bodenverdichtung und damit geringere Bodenerträge zur Folge. Dem kann mit dem Aufziehen von ballonartigen Niederdruckreifen, die das Fahrzeuggewicht besser verteilen, oder dem Einsatz von Zwillingsreifen entgegengewirkt werden.

Die häufigsten Unfälle mit Traktoren geschehen in bergigen Gegenden durch Umkippen. In Österreich müssen sie deshalb seit 1960 mit einem Überrollbügel ausgestattet werden. Im Zuge dessen wurden vermehrt überrollsichere Kabinen aufgebaut.

 

 

1)  1930 gab es in der Landwirtschaft 720 Traktoren, 1939 waren es 1641; 1957 78.748 und 1993  342.816;
1850 waren 75% der arbeitenden Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt, 1961 nur noch 16%, heute weniger als 5% / Quelle: aeiou Österreich lexikon. (www.aeiou.at) des bm:bwk; Stichwort: Landwirtschaft
2)  moveo 2, motus; aus: Der kleine Stowasser
3)  Quelle: wikepidia



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